Dienstag, 24. April 2018

Lamborghini Urus

Der Schnellste im Sandkasten

Wer hat gesagt, dass ein Supersportwagen nicht auch ein SUV sein kein? Lamborghini will mit dem ersten Super-Sports-Utility-Vehicle der Welt, dem Urus, natürlich vom Crossover-Boom profitieren. Aber die Italiener reiten nicht nur auf der SUV-Welle, sie gehen auch auf konkrete Kundenwünsche ein und setzen bei der Performance neue Massstäbe!

Ein SUV ist gross und schwer! An diesen Grundwerten der beliebten Crossover kann auch Lamborghini nicht rütteln. Der Urus bringt es mit stattlichen 5,10 Metern Länge auf kolossale 2,2 Tonnen Gewicht. Nicht die optimalen Voraussetzungen, um auf der Rennstrecke Bestzeiten zu fahren. Dieses physikalische Manko soll ein Vierliter-V8-Biturbo beheben. Die reinen Zahlen lassen aufhorchen: 650 PS, 850 Nm, 0 bis 100 km/h in 3,6 s, 305 km/h Spitze! Aber ein Lamborghini ist kein Fahrzeug für die Viertelmeile! Und das gilt auch für den Urus, dessen Längs- und Querdynamik wir dem 2,2-Tonnen-Brummer nicht zugetraut hätten! Serienmässige Karbon-Keramik-Bremsen verzögern den Super-SUV vor jeder Kurve so mühelos und präzise, als hätte er unterwegs mindestens eine halbe Tonne Gewicht verloren. Die ausgereifte Elektronik aus dem VW-Konzern (u.a. aktives Torque-Vectoring, Hinterradlenkung, Luftfederung und elektromechanische Wankstabilisierung) erledigt den Rest.

Der Urus soll aber kein Pseudo-SUV sein, sondern auch mit Fähigkeiten im Gelände punkten. Allerdings stehen dabei nicht die typischen Merkmale wie Achsverschränkung oder Böschungswinkel im Zentrum. Die erwartungsgemäss mehrheitlich aus dem Nahen Osten stammenden Urus-Kunden haben ein ganz anderes Bedürfnis: Ohne jede Rücksicht auf den Wert ihres Luxus-Gefährts wollen sie möglichst schnell durch die Wüste brettern und auf Sanddünen surfen. Deshalb hat Lamborghini seinen Geländesportwagen darauf ausgelegt, möglichst schnell auf Sand, Schotter und Schnee zu fahren. Auch hier hilft die Elektronik, damit der Urus genau dorthin fährt, wo der Fahrer auch hinlenkt.

Dementsprechend sind die Fahrmodi ausgelegt: «Corsa» (Rennstrecke), «Strada» (Strasse), «Sabbia» (Sand) oder «Neve» (Schnee). Dazu kommt der wortwörtliche Ego-Trip: Im Modus «Ego» kann der Fahrer 27 verschiedene Setups für sich individuell einstellen. Nur ganz so intuitiv geht das nicht. Das Cockpit ist etwas zu exzentrisch ausgefallen (wohl auch um sich von Konzernschwester Audi abzuheben) – und dies geht zu lasten der Bedienung. Sonst ist es aber sportwagentypisch eng auf den Fahrer zugeschnitten. Im ersten viertürigen Lamborghini sitzen hinten auch grosse Erwachsene bequem. Und der Urus dürfte für die Italiener trotz dem stolzen Preis von 237 500 Franken zum Erfolgsmodell werden: 60 Prozent der Vorbestellungen stammen bislang von Nicht-Lamborghini-Fahrern.

Auto Zürich Car Show

31.10. bis 3.11.2019