GENERAL MOTORS

Ab 2035 nur noch elektrisch

1. Februar 2021

Beim einst grössten Autobauer der Welt General Motors (GM) zeichnet sich ein bahnbrechender Richtungswechsel ab. Statt bollernder V8 soll es künftig nur noch leise surrende Elektromotoren geben. Bis 2035 will GM den Verbrenner verbannen.

Leiser, grüner, elektrischer. Das ist das neue Motto von General Motors (GM). Damit wollen die Amerikaner an die glorreichen Zeiten anknüpfen, als sie von 1931 bis 2007 der grösste Autobauer der Welt waren. Aber mit hochgezüchteten Muscle Cars, chromblitzenden Strassenkreuzern und bollernder V8-Motoren ist das heute nicht mehr möglich. Deshalb sollen ab 2035 alle Autos von GM elektrisch angetrieben werden. «Wir fordern andere Anbieter auf, es uns nachzutun», sagt GM-Chefin Mary Barra (59) zur neuen GM-Strategie.

GM ist nicht alleine: Zahlreiche Hersteller haben bereits den Ausstieg aus Benzin und Diesel angekündigt. VW und Mercedes beispielsweise wollen 2040 den letzten reinen Verbrenner verkaufen – erst fünf Jahre nach GM. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen alle Verbrenner mit Elektromotoren hybridisiert werden. Schon seit 2020 verkauft beispielsweise Volvo keine Neuwagen mehr mit einem reinen Verbrennungsantrieb. Zumindest Hybridisierung ist bei allen Modellen an Bord.

Überraschend am GM-Vorstoss ist aber, dass der Konzern Hybridantrieb aussen vor lässt: Ab 2035 soll es überhaupt keine Verbrenner mehr im Programm geben, sondern nur noch Fahrzeuge ganz ohne Abgasemissionen. Damit erteilt GM auch den Plug-in-Hybriden (PHEV) mit Verbrennungsmotor und zusätzlichem E-Motor und einer Batterie zum Nachladen an der Steckdose eine klare Absage.

Während in der Schweiz letztes Jahr 14'429 solche PHEVs gegenüber 19'504 Batteriestromern verkauft wurden, spielen sie in den USA eine untergeordnete Rolle: 2019 wurden hier rund dreimal so viele batterieelektrische Fahrzeuge wie Plug-ins verkauft. Grund sind die längeren Fahrstrecken, auf denen PHEVs ihre Spritspar-Vorteile kaum ausspielen, aber auch der Hype um Elektropionier Tesla.

Mit dem Vorstoss spielt GM dem neuen US-Präsidenten Joe Biden (78) in die Hände. Obwohl Autofan, hat er den Klimaschutz schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit zum Leitmotiv erklärt. Biden plant schärfere Verbrauchsvorschriften, will die Flotten der Bundesbehörden auf Elektrofahrzeuge umstellen und bis zu 500'000 neue Ladesäulen aufstellen. Zudem erneuerte er den Beitritt der USA zum Pariser Klimaabkommen, das weltweit das Ziel einer CO2-neutralen Gesellschaft bis 2050 festschreibt. GM will bereits zehn Jahre früher seine Geschäfte klimaneutral betreiben.

Jetzt will GM selbst die Marke Hummer, einst Symbol für sinnfreie Autos mit irren Verbräuchen, elektrifizieren. Machte Joe Biden Druck? Wie die «New York Times» schreibt, könne die GM-Initiative auch mit Mary Barras politischem Gespür zusammenhängen. Heute greift sie die Klimapolitik von Joe Biden auf. Doch noch 2017 hatte sie dessen Vorgänger Donald Trump mit Erfolg gebeten, geplante Verschärfungen der Abgasvorschriften zu stoppen.