MG KEHRT NACH EUROPA ZURÜCK

China belebt britische Traditionsmarke

23. Dezember 2020

Nächstes Jahr bahnt sich ein Comeback an. Die ehrwürdige britische Sportwagenmarke MG kommt dank chinesischer Hilfe nach Europa zurück. Schon Anfang nächsten Jahres rollen die ersten Elektro-Modelle nach Deutschland. Folgt danach die Schweiz?

Die Chinesen haben ein Flair für europäische Automarken. Nicht nur dafür, sie auf ihren Strassen zu fahren, sondern auch für die Markenrechte. Dass dies sehr erfolgreich sein kann, hat Geely mit Volvo bewiesen und will es nun mit Lotus fortführen. Das kann der grösste chinesische Autobauer SAIC natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Nächstes Jahr will der Grosskonzern mit der britischen Kultmarke MG zurückschlagen.

2005 war Schluss für die MG Rover Group. Nachdem das Geschäft bis Ende der 1980er-Jahre floriert hatte, trieben Misswirtschaft und Fehlplanung die stolze Marke in den Ruin. Schon kurz darauf sicherte sich SAIC die Markenrechte und versucht seit 2007 die britische Traditionsmarke zurück auf die Strasse zu bringen.

Das Unterfangen könnte nun endlich von Erfolg gekrönt sein: Seit wenigen Jahren werden MGs wieder im Vereinigten Königreich zugelassen – made in China zwar, aber immerhin. Dieses Jahr hat MG in Grossbritannien bisher einen Marktanteil von 1,3 Prozent erobert – die Zulassungszahlen lagen im Oktober mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. In den ersten zehn Monaten 2020 hat MG Motor UK über 16'000 Autos verkauft.

Kein Wunder, wagt MG nun auch den Sprung nach Kontinentaleuropa: Der Export nach Norwegen, Dänemark, Island, den Benelux-Staaten, Frankreich sowie Österreich ist bereits gestartet – bald soll mit Deutschland auch der grösste europäische Automarkt in Angriff genommen werden. Mit den legendären Sportwagen vergangener Tage haben die neuen MGs freilich nichts mehr zu tun: Vielmehr setzen die Briten unter chinesischer Flagge auf die Kombination Elektro und SUV.

Erstes Modell im Angebot ist der MG ZS EV: Der Kompakt-SUV erinnert mit seinen ringförmigen Tagfahrlichtern optisch stark an den Mazda CX-3, ist wie dieser rund 4,30 Meter lang, leistet 105 kW (143 PS) und kommt mit einer Akkuladung rund 260 Kilometer weit. In ersten Tests überzeugt der ZS sowohl punkto Sicherheit, Assistenz als auch bei der Garantie, die bei der Batterie acht Jahre beträgt. Das ganze Paket bietet MG ab 32'000 Euro, knapp 35'000 Franken, an – nicht superbillig, aber doch eine Ansage an hiesige Autobauer.

Dazu hat MG mit dem EHS soeben einen Plug-in-Hybrid für Europa vorgestellt, der mit 162 PS (119 kW) starkem 1,5-Liter-Turbobenziner plus 122-PS-E-Motor (90 kW) auf eine Systemleistung von 258 PS (370 Nm) kommt und bis zu 52 Kilometer (WLTP) elektrisch fährt. Die Optik mit «Diamant»-Kühlergrill, der an aktuelle Mercedes-Modelle erinnert, kann sich genauso sehen lassen wie das moderne Cockpit, das sich mit den hochauflösenden Digitalanzeigen, Ambientelicht oder auch 360-Grad-Kamera keineswegs vor der europäischen Konkurrenz verstecken muss. MG-Europachef Matt Lei stellt einen Preis ab 34'000 Euro, also rund 37'000 Franken, in Aussicht.

Ausserdem hat MG noch ein weiteres Modell in Petto, das in Europa bei den Kunden durchaus auf Anklang stossen könnte: Der MG 5 ist ein Elektro-Kombi auf Basis des in China erhältlichen Roewe Ei5 (so heisst Rover heute in China). Er wäre der erste rein elektrisch betriebene Kombi auf dem Markt. Ob MG bald auch auf den Schweizer Markt vorstossen wird? Gut möglich, aber das hängt wohl auch vom Erfolg in unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich ab.