Neue Strategie

Mini wird erwachsen

30. November 2021

Mini wird elektrisch, aber mit Vernunft. Die britische BMW-Tochter stellt sich neu auf und will ab 2023 für Furore sorgen. Dabei bekommt Mini tatkräftige Unterstützung aus China.

Fertig sind die Spielereien mit buntem Lifestyle und mässigen Produktneuheiten. Trendige Lofts in New York? Zehn eigene Modelle? Reine Elektromarke? Das gehört alles der Vergangenheit an. In Zukunft will Mini diese Wirrung und Irrung als Lifestyle-Marke hinter sich lassen und sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren.

Mit Ex-BMW-Manager Bernd Körber (45) ist bei Mini an der Spitze neuer Realismus eingekehrt. Mini segelt als BMW-Tochter künftig nicht mehr allein, sondern unter tatkräftiger Unterstützung des chinesischen Autobauers Great Wall Motors. Anders als bei Smart, deren Spitze sich hälftig aus Daimler- und Geely-Verantwortlichen zusammensetzt, hat bei Spotlight (so der Name der Kooperationsgemeinschaft Mini/Great Wall) nur Mini und BMW das Sagen.

«Great Wall fungiert als Entwicklungs- und Produktionspartner», stellt Mini-CEO Körber klar. Zunächst sollen zwei Modelle in China gefertigt und nach Vorbild des BMW iX3 von dort in die ganze Welt exportiert werden. «Wir haben uns in den letzten neun Monaten viele Gedanken um die Ausrichtung unserer Marke und der Produkte gemacht», so Körber. Neben dem normalen Mini, den es weiterhin als One, Cooper, Cooper S und auch John Cooper Works geben wird, kommen zusätzlich ein kleinerer und ein grösserer SUV dazu. Während die Mini und der grosse Countryman als Verbrenner und E-Modell angeboten werden, bleibt der kleine Countryman rein elektrisch.

Es wird aber sicher bis Ende 2023 dauern, ehe die neue Mini-Generation auf den Markt kommt. Bis dahin soll 2021 eine dezente Modellpflege für Mini, Mini Cabrio, Clubman und Countryman genügen. Besonders beliebt ist aktuell der E-Mini Cooper SE, der mit dem Antriebspaket des BMW i3 für fast ein Jahr ausverkauft ist.

Mit dem Start der neuen Mini-Generation wird der Produktionsstandort in Born NL verschwinden. Die neuen Modelle werden nur noch in Oxford und in China gefertigt – in China die E-Versionen, in England die Verbrenner. «Mini wird elektrisch», sagt Körber, ergänzt dann aber, «doch bis Ende des Jahrzehnts wird es sicher weiterhin auch Verbrennermodelle geben, weil gewisse Regionen dies erfordern.» BMW/Mini und Great Wall entwickeln derzeit gemeinsam eine neue E-Plattform, die beide Unternehmen nutzen wollen.

Gerade für China hat sich Mini viel vorgenommen. Aktuell wird dort nur jeder zehnte Mini verkauft. Das soll sich ab 2023 ändern, wenn auch vor Ort gefertigt wird und man so nicht mehr als Importmarke auftreten muss. Weniger wichtig werden dagegen die USA, wo man vorrangig nur noch in Ballungszentren als exklusive Spartenmarke mit Lifestyle-Charme auftreten will.

Mittelfristig wird es aber kaum bei nur drei neuen Mini-Modellen bleiben. Ein neues Cabrio dürfte durch die anhaltend hohen Verkäufe ebenso gesetzt sein wie mindestens ein weiteres Modell. Dies könnte ein Van oder kleiner Bus sein, der die urbane Mobilität unter dem Mini-Logo auf eine neue Ebene bringt.