Hyundai Ioniq 6

Südkoreas nächstes Streich

25. Juli 2022

Die südkoreanische Elektro-Welle nimmt langsam Fahrt auf: Ein Jahr nach dem Start des gelungen Ioniq 5 schickt Hyundai den Ioniq 6 hinterher. Dank ausgefeilter Aerodynamik kommt die Elektro-Limo weiter als die meisten Stromer auf dem Markt.

Mit dem Ioniq 5 ist Hyundai letzten Sommer ein grosser Wurf gelungen. Jetzt senden die umtriebigen Südkoreaner mit dem Ioniq 6 eine Elektro-Limousine hinterher. Wie schon der retro-futuristische Crossover macht auch der 6er wieder durch seine Optik von sich reden. Hyundai spricht von einem elektrifizierten «Streamliner» mit Designanleihen an die Technik der 1930er-Jahre, dessen Silhouette aber eine neue Design-Ära einläute.
Das kann man wohl sagen: Der Ioniq 6 übernimmt wie schon der 5 die LED-Lichtsignatur im Pixel-Style, streckt sich mit seiner bogenförmigen Seiten- und Dachlinie in die Länge. Der Ioniq 6 ist 4,86 Meter lang, 1,89 Meter breit und 1,50 Meter hoch. Das Design erinnert uns an eine Mischung aus einem in die Länge gezogenen VW Käfer und dem viertürigen Mercedes-Coupé CLA. Beim Heck gehen die Südkoreaner noch einen Schritt weiter: Mit den Kurven im Design, dem hochgezogenen Diffusor und dem abfallenden Spoiler könnte der Ioniq 6 von hinten ein futuristischer Porsche 911 sein.
Das besondere Design macht den Ioniq 6 aber nicht nur zum Hingucker, sondern hat auch aerodynamische Vorteile. Der tiefe cW-Wert von nur 0,21 soll bestenfalls für einen Verbrauch von nur 14 kWh pro 100 Kilometer sorgen – weniger schafft aktuell kaum ein Stromer. Mit dem grösseren 77,4-kWh-Akku sollen 610 Kilometer Reichweite drin liegen. Auch das wäre in dieser Klasse ein Bestwert.
Das Topmodell des Ioniq 6 wird dank der beiden E-Motoren – je einer an Vorder- und Hinterachse – über Allrad verfügen und 235 PS (239 kW) und 605 Nm haben. Damit sollen aus dem Stand in 5,1 Sekunden 100 km/h erreicht werden. Desweiteren wird der Ioniq 6 auch mit einer 53-kWh-Batterie und Heckantrieb angeboten.
Wie schon der Ioniq 5 verfügt auch diese Elektro-Limousine über ein 800-Volt-Bordnetz, das DC-Schnellladen mit bis zu 350 kW ermöglicht. Damit dauert das Laden von zehn auf 80 Prozent bestenfalls 18 Minuten. Ebenfalls Standard ist die sogenannte Vehicle-to-load-Funktion: Damit können Elektro-Geräte jeglicher Art – von der Kaffeemaschine bis zum E-Bike – mit einem speziellen Adapter über die Ladebuchse mit Strom versorgt werden.
Innen kommt den Passagieren der lange Radstand von 2,95 Meter zugute. Hyundai spricht marketingwirksam vom «persönlichen mobilen Studio», in dem sich nicht nur fortbewegt, sondern gearbeitet, gechillt oder geschlafen werden kann. Die im Gegensatz zum 5 durchgängige Mittelkonsole wurde so gestaltet, dass darauf Laptops abgestellt werden können. Optional sind Komfort-Liegesessel erhältlich, in denen sich beim Laden ein Nickerchen machen lässt. Der Kunde hat die Wahl zwischen Ledersitzen oder Stühlen und Verkleidungen aus recycelten PET-Flaschen.
Technik ist reichlich verbaut: Zwölf Zoll grosse digitale Instrumente werden durch einen ebenso grossen Touchscreen ergänzt. Darunter durchzieht ein schmales Band von Lüftungsdüsen den Innenraum. Unter diesen gibts weitere Touch-Schaltflächen für Direktfunktionen und die Klimaanlage. Auffällig: Statt Aussenspiegel gibts Kameras und Bildschirme – auch das hat aerodynamische Vorteile. Ein besonderes Feature ist das Ambientelicht mit 64 Farben, das sich der gefahrenen Geschwindigkeit anpasst und so dem Fahrer optisch signalisiert, wie schnell er unterwegs ist. Ausserdem ist für den Ioniq 6 das «Active Sound Design»-System erhältlich, das den Innenraum je nach Fahrsituation in raumschiffartige Klänge hüllt.
Die Produktion des Hyundai Ioniq 6 soll im dritten Quartal 2022 anlaufen, die ersten Fahrzeuge werden wohl Ende Jahr den Weg nach Europa finden. Mit etwas Glück reicht es für ein Modell gar an die Auto Zürich. Zu welchen Preisen ist allerdings noch offen.