Schweizer Automarkt im Juli

Verschnaufpause

4. August 2021

Der Schweizer Neuwagenmarkt erholte sich bisher gut. Im ersten Halbjahr wurden deutlich mehr Autos verkauft als 2020. Jetzt gerät der Aufwärtstrend ins Stocken. Im Juli wurden weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Der Grund ist die Halbleiterkrise.

Seit Jahresbeginn sind 143'969 Neuwagen auf die Schweizer Strassen gekommen. Das sind 14,4 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten des «Corona-Jahres» 2020 (125'842 Fahrzeuge). Dieser Aufwärtstrend erhielt im Juli nun einen Dämpfer. Der Mangel an Halbleitern sorgt für Lieferprobleme und bremst die Neuwagenverkäufe massiv aus. Nachdem im Juni noch ein kleines Plus zum Vorjahresmonat registriert worden war, liegen die Juli-Zahlen nun unter dem Ergebnis von 2020 (- 14,2 %) und noch deutlicher hinter dem Vorkrisenniveau zurück. So waren im Juli 2019 noch 25'518 neue Personenwagen erstmals in Verkehr gesetzt worden – das aktuelle Marktniveau von 19'422 verkauften Neuwagen liegt brutale 23,9 Prozent tiefer.

«Wir erleben gerade die Talsohle der Halbleiterkrise, die uns härter trifft als ursprünglich erwartet», fasst der Direktor der Importeurs-Vereinigung Auto-Schweiz, Andreas Burgener, die aktuelle Lage zusammen. «Die Knappheit an elektronischen Bauteilen bei Herstellern und Zulieferern hat ein enormes Ausmass angenommen. Wir sehen aber Licht am Ende des Tunnels und hoffen, dass sich die Lage im vierten Quartal normalisiert.» Im kommenden Jahr seien dann wahrscheinlich keine Einschränkungen mehr zu spüren, hofft Burgener. Etwas weniger optimistisch schätzt allerdings BMW-Chef Oliver Zipse die Situation ein. Er rechnet erst in ein bis zwei Jahren wieder mit einem normalen Geschäft ohne Chipmangel.

Es gibt aber auch positive Neuigkeiten. Die vorhandenen Halbleiter fliessen vor allem in Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ein. Die konnten ihre Verkäufe entgegen dem Trend weiter steigern. Mit 40,8 Prozent Marktanteil verfügten vier von zehn neuen Personenwagen, die im Juli auf Schweizer Strassen kamen, über einen Hybrid-, Elektro-, Gas- oder Brennstoffzellenantrieb. Damit setzt sich der Trend seit Jahresbeginn fort, denn der kumulierte Marktanteil dieser Antriebe liegt bei 39,2 Prozent. Dabei konnten batterieelektrische Modelle (14'175, + 111,8 %), Plug-in-Hybride (12'156, + 116 %) und Hybride ohne externe Lademöglichkeit (29'938, + 107,4 %) ihre Stückzahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Auch der Alternativ-Marktanteil betrug zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres nur gut die Hälfte des aktuellen Wertes (21,6 %).