Mittwoch, 16. September 2020

Mercedes S-Klasse

Mass der Dinge

Sie ist der erfolgreichste Luxusliner der Erde und DER Mercedes schlechthin: Die S-Klasse. In der siebten Auflage wird die Edellimousine noch hybrider, nimmt uns das Fahren ab und leuchtet aus 2,6 Millionen Lichtpunkten. 

Nur wenige Autos verdienen sich das Prädikat: Mass aller Dinge! Die Mercedes S-Klasse ist eines davon. Sie ist nicht nur der Mercedes schlechthin, sondern auch der erfolgreichste Luxusliner der Welt. Damit das so bleibt, bekommt die Neuauflage eine eigene Fabrik, die digitale «Factory 56», wo sie in Zukunft gebaut wird, und weiterhin der Konkurrenz zeigen soll, was eine Luxuslimousine ausmacht.

Optisch gibts beim Schritt vom W 222 zum W 223 (interne Bezeichnung der Baureihe) den S-typischen Wechsel: Auf dezent elegant (wie bisher) folgt immer selbstbewusst entschlossen (neu) und umgekehrt. Cool und ganz nach Status und Flaggschiff sieht der S aus, der leicht auf 5,18, in der Langversion gar 5,29 Meter wächst. Auch deshalb gibts eine Hinterachs-Lenkung für mehr Wendigkeit. Der Stern steht traditionsbewusst oben im Wind über dem XXL-Grill. Die senkrechten Rückleuchten am Heck verschwinden. 

Hinten wechselt die S-Klasse von senkrechten auf waagerechte Rückleuchten. Während dies eher ein Design-Detail sind, werden die Frontleuchten zum Technik-Highlight. Statt «nur» Matrix-LED-Licht gibts jetzt Scheinwerfer mit – kein Tippfehler – je 1,3 Millionen Lichtpunkten! Das Pixel-Licht projiziert sogar Stoppschilder auf die Fahrbahn. Passend dazu zeigt das Head-up-Display nicht nur Navipfeile an: Es legt sie vor uns auf die Strasse.

Das Ambientelicht hat 250 LED, aber was wichtiger ist im Cockpit: Die bis zu fünf Monitore samt 3D-Instrumenten und 12,8-Zoll-Mitteldisplay beherbergen die zweite Generation des «MBUX»-Infotainments. Bedient wird es über Pad, Tasten, Touch, Gesten, Sprache – oder Körpersprache: Dreht man sich zur Heckscheibe, öffnet das Sonnenrollo.

Jedes Detail wirkt wie von einem schwäbischen Handwerksmeister aus dem Vollen gefräst. Ab nach hinten: Beine strecken, E-Liegesitze einstellen, ins Polster sinken – und am beheizten Kopfkissen anlehnen. Vor uns der erste Fond-Frontairbag. Aber hallo, ist das ein Wellness-Tempel geworden. Damit sich das auch unterwegs erfüllt, soll das Fahrwerk noch schwebender sein: Die Luftfederung mitsamt Fahrbahn-«lesender» Kamera solls ermöglichen.

Ab etwa Mitte 2021 darf auch der Fahrer entspannen und legal im Internet surfen: «Drive Pilot» heisst, was anfangs auf einzelnen deutschen Autobahn-Abschnitten mit autonomem Fahren des Level 3 gehen soll. Erst nur in der Rushhour bis Tempo 60 – mehr erlauben die Gesetze noch nicht. Auf Level 4 könnte der S gar ohne Fahrer im Parkhaus seine Lücke suchen, darf er aber auch noch nicht.

Fast schon verblüffend traditionell sind dagegen die Antriebe: Voll elektrisch wird die S-Klasse nicht – das erledigt 2021 der EQS. Aber: 2021 folgt ein Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometer E-Reichweite, zuvor der V8 und dann noch V12 und die AMG-Varianten. Zum Start im Dezember gibts Reihensechser. Verbräuche: 6,7 bis 9,5 l/100 km. Die Dreiliter-Benziner 48-Volt-mildhybridisiert: 389 PS (286 kW, S 450 4Matic) und 457 PS (336 kW, S 500 4 Matic). Die 2,9-Liter-Diesel: 286 PS (210 kW, S 350 d/S 350 d 4Matic) und 330 PS (243 kW, S 400 d 4Matic).

Los gehts im Dezember. Die Preise starten bei 123'100 Franken.

Auto Zürich Car Show

15. bis 18. April 2021