Donnerstag, 22. Oktober 2020

SSC Tuatara

Neuer Speed-König

Zum ersten Mal fährt ein Serienauto schneller als 500 km/h. Der SSC Tuatara darf sich seit dem 10. Oktober offiziell schnellstes Auto der Welt nennen. Denn der US-Hypercar hat den Geschwindigkeits-Weltrekord pulverisiert.

Vor bald zehn Jahren kündigte der Boss von SSC (Shelby Supercars), Jerod Shelby vollmundig an, den Geschwindigkeitsrekord an sich zu reissen und den Bugatti Veyron Super Sport zu entthronen. Ein erster Versuch mit dem Ultimate Aero scheiterte. Er war mit 412 km/h zwar knapp schneller als der Veyron EB 16.4 mit 408 km/h, aber es reichte bei weitem nicht für die 431 km/h des Super Sport. 

Seither blieb es ruhig um SSC – bis diesen Monat! Mit einem Knall hat sich Shelby Supercars mit seinem neuen Überflieger Tuatara zurückgemeldet und nicht nur den Veyron-Topspeed getoppt, sondern auch den inzwischen geltenden Topspeed-Rekord von 447,2 km/h pulverisiert. Diesen hatte der Koenigsegg Agera RS 2017 auf einer öffentlichen, für den Rekord gesperrten, Strasse im US-Bundesstaat Nevada aufgestellt. Das sind 277,9 Meilen pro Stunde. Das grosse Ziel aller Rekordjäger wie Bugatti, Koenigsegg, Hennessey, M2K Motorsports oder eben SSC ist aber die magische Grenze von 300 Meilen pro Stunde (482 km/h) zu knacken.

Inoffiziell waren Bugatti und M2K Motorsports schon jenseits der 300 mph – aber nur knapp, sodass sie im metrischen System noch unter 500 km/h blieben. Wieso diese Rekorde nicht gelten? Um als schnellstes Serienauto der Welt zu gelten, muss der Rekord mit einem Auto aufgestellt werden, dass die Kunden so kaufen können. Das heisst, es muss auch mit Strassenreifen und normalem Sprit fahren. Dazu muss der Rekord auf einer öffentlichen Strasse herausgefahren werden, und zwar in beide Richtungen. Als Rekord wird dann der Durchschnitt festgehalten. So werden Vor- und Nachteil durch Rücken-, Seiten- und Gegenwind ausgeglichen. Und natürlich müssen zwei anerkannte Weltrekordzeugen anwesend sein und ein anerkanntes GPS-Messgerät muss die Geschwindigkeit messen und aufzeichnen.

SSC erfüllte all diese Bedingungen und stellte am 10. Oktober auf der selben Strasse in Nevada, wo schon Koenigsegg seinen Rekord einfuhr, mit 316,11 Meilen pro Stunde einen neuen Weltrekord auf! Damit ist der Tuatara auch das erste Serienauto, das über 500 km/h schnell fuhr. Denn 316 mph entspricht 508,73 km/h. Die absolute Spitze war sogar noch höher: 331,15 Meilen pro Stunde (532,93 km/h).

Und es wäre noch schneller gegangen, sagt Rekord-Pilot Oliver Webb (29). Seitenwind verhinderte ein noch höheres Tempo. Der Rekord-Bolide wird von einem 5,9-Liter-V8-Biturbo mit 1350 PS (993 kW) befeuert. Mit Rennsprit kommt er gar auf 1774 PS (1304 kW). Dabei bringt der Tuatara nur 1247 Kilogramm auf die Waage. Chassis und Karosserie bestehen aus Kohlefaserlaminat. Faszinierend ist auch die Aerodynamik. Statt eines grossen Heckflügels sorgen zwei Winglets auf den hinteren Kotflügeln für Stabilität. Kostenpunkt für den Rekordjäger, der in 100 Exemplaren in Serie gehen soll: mindestens 1,3 Millionen Dollar (ca. 1,2 Mio. Fr.).

Auto Zürich Car Show

15. bis 18. April 2021