Ineos Grenadier

Wieder ein echter Geländewagen

30. Dezember

Auf den ersten Blick wirkt der Ineos Grenadier wie eine Billig-Kopie aus China. Doch der Ineos kommt nicht aus China, sondern wird im Smart-Werk Hambach (F) gebaut. Und er ist auch keine billige Kopie des Land Rover Defender sondern ein eigenständiger Geländewagen.

Die Parallelen zum Offroad-Urgestein Land Rover Defender kommen nicht von ungefähr. Der Ineos Grenadier wurde wie das britische Vorbild von Grund auf zweckorientiert entwickelt: Robustes, kantiges Design, Starrachsen, Leiterrahmen, 3,5 Tonnen Anhängelast – ein echtes Nutzfahrzeug eben und einfach zu reparieren. Aber es gibt natürlich dezente Unterschiede. Die klassischen Dachfenster wurden durch kleine Relings für Ausrüstungsgegenstände ersetzt. Die Hecktür ist beim Grenadier zweigeteilt, damit nicht bei jedem Öffnen das schwere Ersatzrad mit gestemmt werden muss.

Die Motoren, zu Beginn gibt es einen Dreiliter-Reihensechszylinder-Benziner und einen Diesel, stammen von BMW. Aber der nächste Schritt ist bereits gemacht. Unlängst einigten sich Hyundai und Ineos, dass die Koreaner den Wasserstoff für ihre Modelle vom britischen Chemiekonzern Ineos beziehen. Im Gegenzug dürfte Ineos Automotive Zugang zur Wasserstoff-Fahrzeugtechnologie von Hyundai erhalten.

Die Verbindung zum speziell für den Grenadier entwickelten Verteilergetriebe (permanenter 4x4, Geländeuntersetzung zuschaltbar, zentrale Differenzialsperre) übernimmt eine Achtgang-Wandlerautomatik von ZF. Allerdings mit eigener Abstimmung, die für mehr Drehmoment sorgen soll. So leistet der Diesel 249 PS und 550 Nm, der Benziner 285 PS und 450 Nm. Mehr Details gibt Ineos noch nicht bekannt, immerhin ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und das Finetuning läuft noch. Dazu sind aktuell rund 120 bei Magna Steyr in Graz (A) aufgebaute Grenadier-Prototypen auf der ganzen Welt im Einsatz – zur Hitzeerprobung in der Wüste, für Kälte- und Schneetests am Polarkreis oder auf Gletschern in Österreich.

Denn der Ineos Grenadier soll ein hochmoderner Allradler sein. Dafür ist er mit einem getrennten System aus Federn und Stossdämpfern sowie sperrbarem Mitteldifferenzial und weiteren elektronischen Sperren an Vorder- und Hinterachse ausgerüstet. Komfort-Spielereien wie eine Luftfederung gibts hingegen nicht.

Das heisst aber nicht, dass der Grenadier ohne Komfort auskommt. Statt in verkrampfter schräger Haltung wie im Defender sitzt man hier ganz entspannt am Lenkrad. Hinter dem modernen, etwas an Smart erinnernden Zweispeichen-Lenkrad gibts ein kleines Display für die wichtigsten Fahrinfos. Dazu auf der zwischen Fahrer und Beifahrer hoch aufragenden Mittelkonsole einen 12,3-Zoll grossen Infotainment-Touchscreen mit Apple Car Play und Auto Android sowie spezieller, für Offroad-Touren geeigneter Navigation. Zwischen den klar beschrifteten Kippschaltern und Drehreglern gibts viel Platz, damit sie auch mit Handschuhen bedient werden können. Als Inspiration dafür dienten Flugzeuge und Boote. Über dem Kopf des Fahrers sind weitere Schalter für Zubehör wie Seilwinden oder Arbeitsleuchten fest verbaut und verkabelt.

Nun läuft die finale Erprobungsphase, ehe nächsten August im von Smart übernommenen Werk im elsässischen Hambach die ersten Grenadiere für den Verkauf gebaut werden. 5000 Fahrzeuge sind noch für 2022 geplant, danach sollen es jährlich zwischen 25’000 und 30’000 sein. Seit drei Monaten können in der Schweiz Interessenten für 450 Franken Anzahlungsgebühr ihren Grenadier vorreservieren. Der definitive Preis für die Schweiz steht aber noch nicht fest, da Grenadier noch keinen Importeur gefunden hat. In Deutschland startet der neue Geländewagen bei 59'000 Euro. Das wäre umgerechnet knapp 65'000 Franken.